Karsten Knocke

Neubau Unilever Hamburg

Neue Arbeitswelt und -kultur in Nachbarschaft zur St. Nikolai Kirche
Standort: Hamburg
Auftraggeber: Unilever Deutschland GmbH
Umsetzung Design & Layout: Joppich & Rieckhoff GmbH
Leistungsbild: Tageslichtuntersuchung, Kunstlichtplanung
Fertigstellung: 2020
Der Neubau der deutschen Hauptverwaltung des Unilever-Konzerns befindet sich im zentral gelegenen Nikolai-Quartier der Hamburger Innenstadt. Durch solche Nachverdichtungen werden zunehmend Baulücken gefüllt und die Innenstädte lebendiger. Doch der eigentliche sinnvolle Trend bringt einen wesentlichen Nachteil mit sich: Die Nutzer:innen solcher Bauten bezahlen die zentrale Lage oft mit einem Mangel an Tageslicht. Damit die Menschen im Inneren des Gebäudes ausreichend Zugang zu biologisch wirksamem Licht erhalten, braucht es ein intelligentes Zusammenspiel von Architektur, Haustechnik und Licht.
Karsten Knocke
Die richtige LED-Qualität lässt farbige Möbel und Pflanzen strahlen.
Karsten Knocke
Die Lichtkanäle sind zwischen den Akustikpaneelen an der Rohdecke montiert.
Karsten Knocke
Selbst durch die Fassade des Neubaus für Unilever mit großzügigen schräg gestellten Fenstern und klaren Linien und Formen gelangt nicht genug Tageslicht in die Tiefe der Bürofläche. Wir sind diesen nachteiligen Effekt der räumlichen Verdichtung mit einem intelligent gesteuerten Kunstlichtsystem begegnet. Das von uns ersonnene Konzept gleicht den unzureichenden Tageslichteintrag aus und sorgt dafür, dass alle Mitarbeitenden den ganzen Tag hinweg ausreichend mit biologisch wirksamem, der Tageszeit entsprechendem Licht versorgt werden. Insgesamt verfügt das Bürohochhaus über ca. 5.500 m² Bürofläche, verteilt auf acht Stockwerke. Die Ergebnisse unserer Tageslichtuntersuchung zeigen, dass die Tageslichtausbeute in der Abfolge der Geschosse sehr ungleichmäßig ausfällt.
Karsten Knocke
Kunstlicht ergänzt Tageslicht und sorgt für gleiche Lichtverhältnisse an jedem Arbeitsplatz.
Die Fassade zum Platz der Nikolaikirche lässt einen durchaus gleichmäßigen Tageslichteintrag zu. Bei den Fassaden mit einer gegenüberliegenden Verbauung und einem Innenhof sieht es jedoch anders aus: Während im obersten Stockwerk eine vergleichbar hohe Tageslichtversorgung wie zum Platz der Nikolaikirche verzeichnet werden kann, herrscht in den unteren Stockwerken eine extreme Unterversorgung. Je weiter unten die Etagen liegen, desto weniger Tageslicht kann durch die Verbauung in die Innenräume gelangen. Die dichte Blockrandbebauung, der Innenhof und die Nähe zum eng bebauten Umfeld verhindern hier einen gleichmäßig hohen Tageslichteintrag im Gebäude.
Karsten Knocke
Karsten Knocke
Derartige Auswirkungen lassen sich leider vielerorts in städtischen Gebieten beobachten, denn städtischer Raum ist begehrt, aber auch begrenzt. Das Bestreben, die zur Verfügung stehenden Flächen wirtschaftlich bestmöglich zu nutzen, führt zu einer zunehmenden städtebaulichen Verdichtung. Mehrfachverglaste Fenster zur energieeffizienten Isolierung sowie Maßnahmen, die das Aufheizen der Innenräume im Sommer verhindern, versperren dem Tageslicht zusätzlich den Weg nach Innen. So führen auch großzügige, durch viel Glasfläche geöffnete Fassaden, wie in der Neuen Burg 1, nicht mehr automatisch zu tageslichtdurchfluteten Innenräumen, wodurch wiederum der Bedarf an Kunstlicht steigt.
Karsten Knocke
Loungezonen lockern die Arbeitbereiche mit farbigen Akzenten auf.
Karsten Knocke
Die Teeküchen sind mit abwechslungsreichen Möbeln und Sportgeräten ausgestattet.
Karsten Knocke
Basierend auf den Ergebnissen unserer Tageslichtuntersuchung haben wir für die Neue Burg 1 ein Lichtkonzept entwickelt, das die vorhandene Tageslichtausbeute mit sinnvollen Kunstlichtlösungen ergänzt, sodass alle Mitarbeitenden im Büro auch in den tageslichtarmen Bereichen stets genügend Helligkeit an seinem Arbeitsplatz erhält. Eine intelligente Steuerung passt das Licht automatisch dem Tagesverlauf an, damit die Nutzer:innen eine natürlich verlaufende Lichtentwicklung erleben, die dem biologischen Rhythmus des Menschen entspricht.
Karsten Knocke
Unterschiedliche Pendelleuchten ergänzen das Kunstlichkonzept.
Karsten Knocke
Pflanzen und Mooswände sorgen mit dem richtigen Licht für ein angenehmes Raumklima.
Die Leuchten beginnen morgens mit einer kühl anmutenden Lichttemperatur und einer der Tageszeit angemessenen Helligkeit. Gegen Mittag wird die Lichttemperatur kühler, während die Beleuchtungsstärke ansteigt. Wir Menschen benötigen diese Lichtintensität über 2 – 3 Stunden am Tag, um in eine Wachphase zu kommen, in der wir in höchstem Maße konzentriert, munter und aufnahmefähig sind. Zum Abend hin erhält das Licht eine wärmere Temperatur, die Helligkeit geht zurück, sodass sich die innere Uhr langsam auf das Tagesende einstellen kann und das Einschlafen später leichter fällt.
Auf diese Weise erzielt das Licht trotz geringerem Tageslichtanteil die erforderliche melanopische Wirksamkeit, die den circadianen Rhythmus unterstützt. Den Mitarbeitenden wird so über den kompletten Arbeitstag das richtige Licht zur Verfügung gestellt, um langfristig gesund, ausgeglichen und leistungsfähig zu bleiben. Nicht nur die richtige Lichtintensität und Lichtfarbe sind von Bedeutung, sondern auch die richtige Mischung von direktem brillantem und diffusem weichem Licht. Das richtige Mischverhältnis verändert sich im Laufe des Tages, um die melanopische Wirksamkeit zu unterstützen.
Karsten Knocke
Focusboxen und Besprechungstische wechseln sich mit Schreibtischarbeitplätzen ab.
Karsten Knocke
Dekorative Elemente können über Steckdosen im Lichtkanal flexibel angeschlossen werden.
Die offenen Büroflächen sollen maximal flexibel genutzt werden können. So ist das Lichtkonzept für die gesamte Fläche – dem Tageslicht angepasst – gleichmäßig geplant. Lediglich einige dekorative Pendelleuchten schaffen Lichtinseln und sorgen für stimmungsvolle Akzente. Um einen zukünftigen Umbau möglichst unkompliziert zu gestalten, wurden zusätzliche Steckdosen im Lichtkanal installiert, an denen Pendelleuchten angeschossen und mittels Affenschaukel an die neue richtige Position gebracht werden können.