ERCO GmbH | Frieder Blickle, Hamburg

Hauptkirche St. Katharinen

Illumination einer denkmalgeschützten Kirche
Standort: Hamburg
Auftraggeber: Hauptkirche St. Katharinen
Architektur: Helmut Riemann Architekten
Leistungsbild: Tageslichtuntersuchung, Kunstlichtplanung
Fertigstellung: 2015
Die Hauptkirche St. Katharinen ist ein weithin sichtbarer Ort der Ruhe in der Hamburger Speicherstadt. Bis 2015 wurde der 116,7 m hohe, denkmalgeschützte Bau nach den Plänen von Helmut Riemann Architekten (heute: Riemann Gesellschaft von Architekten) saniert. Wir entwarfen ein Lichtkonzept, das die Anmut des sakralen Gebäudes betont. Zugleich integrierten wir auf unauffällige und respektvolle Weise eine zukunftsweisende Beleuchtungstechnik mit aufwendig programmierten, dimmbaren LED-Komponenten. Das Licht ist variabel und stimmig für die vielen kirchlichen und weltlichen Veranstaltungen.
Mit der umfangreichen Generalsanierung der Hamburger Hauptkirche St. Katharinen gelang der Spagat zwischen einem unter Denkmalschutz stehenden Bauwerk und einer vielfach genutzten Kirche mit mehr als 300 Gottesdiensten und Veranstaltungen pro Jahr – als künftige HafenCity-Kirche war noch ein Anstieg zu erwarten. Die Mehrfachnutzung war herausfordernd: Denn zum einen erfordern die liturgischen Prozesse eine warme Illumination, die das Kerzenlicht stimmungsvoll ergänzt. Dem gegenüber steht die alltägliche Beleuchtung. Diese war zunächst konventionell mit HIT-Leuchten für den „Besucherbetrieb“ und QT-Leuchten für ergänzende stimmungsvolle Lichtszenen geplant.
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Blick von der Orgelempore
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Pendelleuchten mit doppelt asymmetrischer Ausstrahlung
Während des laufenden Projektes ergab sich jedoch für uns die Alternative, für die Pendelleuchten und Obergadenleuchten LED-Einheiten einzusetzen. In enger Zusammenarbeit mit der Gemeinde setzte unser Team diese Option um. Damit die LED-Einheiten das gewünschte stimmungsvolle „Glühlampen-Verhalten“ zeigen konnten, wurde erstmalig das Dimmverhalten unter großem Aufwand im Labor entwickelt. Jeder einzelne Step entlang der Farbverschiebung auf dem Planckschen Kurvenzug wurde aufwändigst programmiert. Das Ergebnis allerdings ist alle Mühen wert: Die zwischen den Säulenreihen aufgehängten Pendelleuchten strahlen nun als LED-Einheiten mit einer Warm-Dim-Technologie zu gleichen Teilen zur Mitte und in die Seitenschiffe.
Die große Raumhöhe des Mittelschiffes – eine Pseudobasilika ohne Fenster – ist nun, durch die erstmalig beleuchteten Obergaden, erlebbar. Die LED-Obergaden-Leuchten illuminieren indirekt gleichmäßig, während die Lichtaustrittsfläche nicht störend als Helligkeit vom Kirchraum wahrnehmbar ist. Diese Allgemeinbeleuchtung ergänzen Beleuchtungsdetails wie die Hervorhebung der liturgischen Elemente, zurückhaltende Leuchten unter der Empore, aber auch die unauffällige Einbindung der Sicherheitsbeleuchtung. Letztere sollte aufgrund der zahlreichen Veranstaltungen der einer Versammlungsstätte entsprechen. Durch innovative Lösungen wie die Integration in LED-Elemente unter der Empore oder modifizierte Pendelleuchten ist die Sicherheitsbeleuchtung allerdings so unauffällig wie möglich.
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Erlebbarkeit der vollen Raumhöhe
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Illumination des Mittelschiff-Gewölbes
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Hauptorgel
Der Altarraum und die Orgel sind als wichtigste Bestandteile zu betonen. Weil bis auf eine Ausnahme keine Wandmontagen von Leuchten gestattet waren und aus gestalterischen Gründen die Leuchten weder abgependelt noch sichtbar sein sollten, war Innovation gefragt. Die Lichtplanung fand in Abstimmung mit der Architektur einen Kompromiss: An den Zugbändern des Mittelschiffs sind nun Blenden positioniert. Sie nehmen die Stromschienen und Strahler auf, beschränken aber den Blick auf letztere.
Neben Gottesdiensten finden in St. Katharinen vor allem Konzerte, Lesungen und ähnliche weltliche Veranstaltungen statt. Für sie können besondere Lichtstimmungen ganz nach den Wünschen der Nutzer entstehen, indem die Säulen entweder farbig oder weiß illuminiert werden. Die hierfür notwendigen RGBW LED-Strahler befinden sich in Bodenkanälen unter hochentspiegeltem Glas. Sie fügen sich perfekt in das Bodenziegelraster ein. Mit diesem Detail meisterte unser Team einen hohen Koordinations- und Abstimmungsaufwand, da außerdem Lautsprecher und Medientechnik integriert wurden.
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Blick auf die Hauptorgel
Michael Zapf
Eröffnungsgottesdienst am 1. Adventssonntag 2012
Ein sakrales, denkmalgeschütztes Gebäude aus dem Jahr 1250 sanieren und angemessen illuminieren – eine anspruchsvolle Kombination, die Riemann Architekten und uns in St. Katharinen auf eindrucksvolle Weise gelungen ist. Besucher betreten nun eine modern ausgestattete, helle Kirche, die zugleich eine stimmungsvolle Bühne für Gottesdienste als auch die moderne, (licht-)technische Ausstattung für weltliche Veranstaltungen bietet.